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Johann Andreas Eisenbart(h)


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Eisenbart Epitaph
an der Aegidienkirche
(s. Aegidienstr. im Plan),
Hann. Münden
(Repro: spontan)

Eisenbart Holzstatuette von Hermann Klinger am Sterbehaus
(Punkt 6 im Plan)
Inschrift am Sockel:
In diesem Haus
wirkte und starb
Doktor Eisenbarth
Er war anders als sein Ruf.

(Bild: Strotkoetter)

Eisenbart in Münden
Ruheloser Wanderer vom Tod ereilt

Joh. Andreas Eisenbart (1663-1727) war ein für seine Zeit typischer Wundarzt und ein anerkannter Vertreter seiner Zunft, der praktischen Chirurgie, die damals noch nicht Bestandteil der Medizinerausbildung an den Universitäten war. Nach den allgemein üblichen Medizinalordnungen des 17. Jh. durften die akademischen Ärzte nur innere Krankheiten behandeln, die Wundärzte durften nur Chirurgen (griechisch, eigentlich Handwerker) sein. Diese Wundärzte waren oft als Wanderärzte unterwegs.

Eisenbart (seit 1686 reisender Wundarzt!) kam irgendwann im Spätsommer/Frühherbst 1727 in Münden an, nachdem er am 1. September 1727 in Göttingen sein Testament gemacht hatte. Er war bereits ein schwer kranker Mann, der wie Brethauer vermutet, wohl nicht mehr in Münden praktiziert hat. Am 11. November 1727 hat den ruhelosen Reisenden im damaligen Gasthaus Wilder Mann (Punkt 6 im Plan), in dem er bei seiner Ankunft abgestiegen war, der Tod ereilt. Im Sterberegister von St. Blasii, Münden, ist kurz verzeichnet:
den 13. 11. ein frembder Eisenbart inr Stille in St. Egid. Kirchen beygesetzet.
Eisenbarts Sohn hat für ein standesgemäßes Grab mitten im Chor der Kirche St. Aegidii, unmittelbar vor dem Altar, gesorgt.

Viel später muß der Stein dann aus der Kirche entfernt und auf dem Friedhof neben der Kirche gelegt worden sein. Eisenbart geriet in Münden in Vergessenheit.

1837 wurde der von Sträuchern und Blumen überwucherte Stein durch Zufall von Theodor Schwedes wiederentdeckt. Eisenbart, über den seit Anfang des 19. Jh. Spottverse in studentischen Kommersbüchern zu finden sind und den viele für eine Legende hielten, hatte seine Identität zurückerhalten. Der an der Nordseite von St. Aegidii wieder aufgerichtete Grabstein wurde im 19. Jh. in der Region ein beliebtes Ausflugsziel.

Das bekannte Mündener Eisenbart-Spiel (vor dem Rathaus) von Richard A. Hennig, das den barocken, reisenden Wundarzt darstellt, der aus PR-Zwecken mit Gauklern, Musikern, Tänzern und Theatergruppe unterwegs ist, ist in der Grundidee korrekt. In dieser Art etwa ist Eisenbart bis ca. 1716 durch die Lande gezogen, um das Volk anzulocken.

(pä)

Quellen
Pies: Ich bin der Doktor Eisenbarth
Brethauer: Doktor Eisenbart
May: Münden ..., Seite 208 ff
Hennig: Das Spiel vom Doktor ...

Fußnoten

ALHIR
RUHET
IN GOTT
D[E]R. WEILAND
HOCHEDLE
HOCHERFAHRENE WELTBERÜHM[TE]
HERR. HERR.
JOH: ANDREAS EISENBART
KÖNIGL:GROSBRITANISCH[E]R
UND
CHURFÜRSTL.BRAUNSCHW[.]LÜNEB[URG.]
BRIVILEGIRTE LANDARTZT
WIE AUCH
KÖNIGL[.]BREUSSISCHER RAHT
UND
HOFOCULISTE
VON
MAGDEBORG
GEBOHRN.ANNO 1661

GESTORBEN.1727 D.11[.] NOVEMB[.]
AETATIS 66 JAHR.
 


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